Yogyakarta

Nach knapp zweieinhalb Monaten, Dutzenden Skyponaten und unzähligen Whatsapp Nachrichten war es Freitag endlich soweit. Sarah kommt in Jakarta an. Von Max Erzählungen und meinem Blog gut vorbereitet auf das Chaos, das sie erwartet, kam sie mit knapp einstündiger Verspätung aus dem Gate marschiert. Tiwuk hatte uns freundlicher Weise ihren Fahrer, Bas, zur Verfügung gestellt. So durfte Sarah dann auch ihren ersten Feierabendstau in Jakarta “geniessen” während uns Bas mit Zen-gleicher Ruhe durch den Verkehr steuerte. Bei mir angekommen wollte Sarah erstmal duschen, was mir genug Zeit gab mich meinem Baby zu kümmern. Also “schnell” das iPhone 4 synchronisiert und alles auf Vordermann gebracht. Im Anschluss Sarah die erste  Rollerfahrt zum Nudelmann gegönnt. Wie erwartet genoss sie den geregelten Verkehr und konnte es kaum erwarten, endlich den Roller verlassen zu dürfen. Früh ging es dann auch ins Bett, stand doch am nächsten Morgen der Flug nach Yogyakarta auf dem Plan.

Gut erholt (ich) bzw. gar nicht geschlafen (Sarah) machten wir uns um vier Uhr auf zum Flughafen. In der Wartehalle durfte Sarah dann auch zum ersten Mal erleben, was es heißt, blond, gross und weiß in Indonesien zu sein. Ohne Schüchternheit vorzutäuschen starrte man sie/uns (ja ich will auch angestarrt werden ;) ) völlig ungeniert an. Einzig direkter Blickkontakt konnte ein kurzes Abwenden erzwingen.
Wenn Jakarta das wirtschaftliche Hirn Indonesiens ist, dann ist Yogyakarta (gesprochen wie Jakarta, also dschogschakarta) seine kulturelle Seele, so schreibt der Lonely Planet frei nach mir. Genau diese Seele wollten dann auch diverse Taxifahrer höchstbietend und laut schreiend an uns verschachern. Ein kurzer Preisvergleich erzielte das Ergebnis unbezahlbar und wir entschieden uns für den lokalen Nahverkehr. Erstes Ziel auf der Liste: Borobudur. Seines Zeichens einer der bedeutendsten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens. Mit dem Schnellbus ging es zum Busbahnhof, wo wir direkt vom ersten Menschenschieber begrüßt wurden. Da uns Borobudur auf die Stirn geschrieben schien, lotste man uns auch sofort zum  Direktbus. Dort war dann zwar kein Platz mehr, aber man wäre ein schlechter Schieber, wenn man nicht zwei arme Seelen finden würde, die man aus dem Bus schmeissen kann, um von Bules den dreifachen Preis verlangen zu können. Unsere Proteste wurden ungehört ignoriert und um ehrlich zu sein überwog nach kurzer Zeit dann doch die Lust, möglichst früh in Borobudur anzukommen. Kaum in unsere Plätze gedrängt (Ryan Air ist First Class dagegen) fuhr der Bus dann auch los. Direktbus heißt in Indonesien übrigens, dass es zwar keine offizielle Haltestellen gibt, aber jederzeit und überall Leute aus dem Bus geworfen oder eingesammelt werden können. Auf dem Weg kamen wir auch an der Zugangsstrasse zum Merapi vorbei, jenem Vulkan, der bei meiner Ankunft in Indonesien noch für Angst und Schrecken gesorgt hatte. Zuerst hielten wir die Zufahrt für einen Steinbruch, erst später wurde uns klar, dass dort die Lavaströme abgeklopft und die Strassen immer noch freigeräumt werden.

Am Borobudur angelangt lachten wir uns eine Rikscha an, die uns zum Eingang der Anlage brachte. Sofort zeigten uns die Aufseher uns auch de  richtigen Eingang, denn wie bei allen indonesischen Sehenswürdigkeiten dürfen Ausländer auch hier den vielfach erhöhten Eintrittspreis bezahlen (in diesem Fall das Siebenfache). Dafür gab es aber ein erfrischendes Begrüßungswasser und mein Führerschein wurde auch als Studentenausweis akzeptiert, den ich natürlich clevererweise trotz besseren Wissens in Jakarta hab liegen lassen. Gegen den Guide entschieden gingen wir zum Haupttempel. Dieser ist zwar wirklich beeindruckend, vor allem, wenn man bedenkt wann und wie er gebaut und wiederentdeckt wurde, doch er ist wirklich um einiges kleiner als man es erwartet. Knapp 30mx30m lang ist der Tempel schnell umrundet. Da der Besuch schneller beendet war als gedacht schnell bei Amrei angerufen und gefragt, ob wir uns ihrer Truppe anschließen dürfen. Anna hatte nämlich für das Wochenende eine Tour nach Yogyakarta organisiert, an der Sarah und ich aber nicht teilnehmen konnten, da es Freitag Abend schon los ging.

Im Endeffekt waren wir so zu neunt unterwegs und machten uns auf den Weg zum Merapi. Da es aber vorher geregnet hatte, war der Zugang gesperrt und wir mussten nach Yogya fahren. Dort haben Sarah und ich uns kurz ein Hostel gesucht und dann ging es auch schon weiter zum Prambanan, der hinduistischen Tempelanlage auf der anderen Seite der Stadt.

In Prambanan zog meine Tour mit dem Führerschein leider nicht mehr, also musste ich dort den vollen Preis bezahlen. Dafür hatten wir diesmal einen deutschsprachigen Guide. Am Anfang fasziniert von seinen Deutschkenntnissen warf er mit Fremdworten nur so um sich, dass Tina es nicht langweiliger hätte hinbekommen können. (Drei Monate und jetzt erst der erste Kommentar zu dir. Sei stolz auf mich ;) ) Die Tour halbschlafend zu Ende gebracht, Henning stellte wenigstens ein paar Höflichkeitsfragen, waren wir im Anschluss heilfroh, endlich was Essen zu können. Die halbgespülten Teller im Restaurant gaben Sarah dann auch zum ersten Mal zu verstehen, wie Ernst es die Indonesier mit der Hygiene meinen.

Nach dem Essen stand das traditionelle Ramayana Ballett als Abendprogramm fest. Der Story war ich zwar, trotz Programmheft, kaum zu folgen in der Lage, so wirr erschien mir die Geschichte. Auf Grund teilweise extrem lustiger Schauspielkunst war es aber trotzdem sehr unterhaltsam (und ich habe kaum geschlafen!). Zurück in Yogya ging es sofort in die Bintang Bar. Meine kindliche Hoffnung, es sei das offizielle Brauhaus von Bintang, wurde zwar schnell zerschlagen, betrunken waren wir aber trotzdem recht bald.

Frühmorgens, erneut um vier, raubte mir der Wecker nach nicht mal zwei Stunden Schlaf den verdienten Rausch. Wir wollten frühstmöglich zum Merapi aufbrechen, um etwaigen Gewittern aus dem Weg zu gehen. Beim kleinsten Regenschauer verwandeln sich die Zufahrtswege nämlich zur schlimmsten Rutschpartie und sie werden vorsorglich gesperrt und wenn in Indonesien aus Sicherheitsgründen etwas gesperrt wird, sollte man das auch wirklich ernst nehmen. Nach einer schlaftrunkenen Fahrt wurde uns auch bei der Ankunft schlagartig bewusst, warum:

Der Vulkanausbruch hatte wirklich jedes Leben im Umkreis zerstört. Einzig ein paar neugewachsene Sträucher störten das Braun in Grau. Ohne die schützenden Bäume hatten Regenschauer riesige Furchten in die Landschaft geschlagen, flaniert von gigantischen Lavaströmen, die man erstmal als solche ausmachen musste, so viele gab es von ihnen. So konnten wir uns auch aus erster Hand einen Eindruck machen, mit welch verheerender Kraft der Merapi hier wütete. Wo eins Häuser standen, konnte man nur noch Grundrisse erahnen. Überall steckte Hausrat in Gestein fest und aus dutzenden Felsöffnungen strömten noch schweflige Dämpfe empor. Leider war der Bereich, den man begehen durfte recht klein und so machten wir uns nach einer knappen Stunde wieder auf den Heimweg.

Durch die frühe Rückkehr nach Yogya hatten wir aber genug Zeit die Stadt per Rikscha zu erkunden. Den direkten Vergleich z.B. mit den Chinesen kann Yogya natürlich nicht aufnehmen, der Beschreibung des Lonely Planet wird es aber auf jeden Fall gerecht. Hightlight war sicher Alun-Alun, 2 riesige Bäume, bei denen man erreichen muss, von der 100m entfernten Straße mit verbundenen Augen hindurch zu laufen. Wenn man es schafft, wird einem ein Wunsch erfüllt. Leider erwischte uns anschließend ein stundenlanger Regenschauer, der unseren Plänen einen Strich durch die Rechnung machte. Dafür lernten wir einen freundlichen Straßenhändler kennen, der uns darüber aufklärte, dass in jedem Magen und vor allem in Sarahs ein Wurm haust, der beständig Nahrung verlangt und uns regelmäßig krank macht. Wieviel Recht er damit behalten würde…

4 Kommentare

  1. Alena
    Posted 8. Februar 2011 at 14:27 | Permalink

    Sehr coole Bilder mal wieder!

  2. Alena
    Posted 8. Februar 2011 at 14:29 | Permalink

    Mein Favourite: Sarah vor dem Vulkan…..sieht ein wenig gruselig aus_wie ein böser Engel. Oder wie war das noch? Böse Fee? :)
    Ne, im ernst…..tolles Bild!

  3. Imax
    Posted 8. Februar 2011 at 15:43 | Permalink

    super bilder!

  4. Bmax
    Posted 9. Februar 2011 at 11:23 | Permalink

    Warum blieb denn das Bild wo sich Sarah auf dem Bett lümmelnd dem Malte anbietet bis dato unkommentiert…:)